Textbauhilfe: Die Pyramide

Schon mal erlebt? Sie haben eine klare Meinung und viel Wissen über ein Thema, und wenn Ihnen jemand dazu Fragen stellt, können Sie stundenlang darüber referieren. Nun aber soll ein Text daraus werden, und daran knabbern sie ganz schön. Wo ansetzen, welche Details wo unterbringen? Es ist verzwickt: Ihr Thema hat eigentlich mehrere Dimensionen, nur geht’s beim Schreiben dummerweise nur in eine Richtung…. Also was tun?

Hilfe naht.

Darf ich vorstellen: das Pyramidenprinzip von Barbara Minto.

Buch von Barbara Minto "The Pyramid Principle"

Klare und logische Struktur

Nach meiner bescheidenen Meinung (und nicht nur meiner) ist dies eines der hilfreichsten Konzepte für Business-Schreibende. Ausgehend von der übergreifenden Botschaft an die jeweilige Zielgruppe, hilft die Pyramide, einen Text oder auch eine Präsentation sinnvoll und nachvollziehbar zu strukturieren. Und zwar so, dass sich die Argumente weder wiederholen noch überlappen. Logik und Stringenz spielen also eine wichtige Rolle – daher ist die Pyramide in allererster Linie für Texte gedacht, die überzeugen sollen. Also eher für Artikel, Newsletter, Websites, Whitepapers, Businesspläne, Projekt- und Geschäftsberichte … als für, sagen wir, Romane, Reiseberichte oder Bildbetrachtungen.

Der Trick dabei: Textteile werde nicht nach Themen geordnet, sondern konsequent nach Aussagen (die wiederum in einem bestimmten logischen Zusammenhang stehen – also beispielsweise eine Reihe von Argumenten, Gründen, Problemen, Aufgaben, …). SBuchseite mit grafischer Darstellung einer Pyramidenstruktur, bestehend aus Boxeno stellen Sie sicher, dass Sie wirklich alles Relevante – aber auch nicht mehr als das – innerhalb der einzelnen Kapitel zusammenfassen. Und dass Sie alles in die richtige Reihenfolge bringen. „Richtig“ heißt dabei: aus Lesersicht auf Anhieb nachvollziehbar.

Argumente mit Hand und Fuß

Wer die Pyramide konsequent als Strukturhilfe anwendet, erarbeitet bei umfangreicheren Textprojekten vor dem eigentlichen Schreiben zunächst eine Storyline – eine Grobstruktur, in der die wesentlichen Aussagen stichpunktartig festgehalten sind. Entlang dieser Struktur lässt es sich nun weitaus leichter schreiben: Denn nichts ist mühsamer, als Übergänge fabulieren zu müssen, wo eigentlich der logische Zusammenhang fehlt. (Achten Sie doch mal drauf, wenn Sie beim nächsten Mal einen Artikel oder eine Broschüre lesen: Wenn Ihnen irgendwo eine unschöne Anhäufung von Wortblasen begegnet, stechen Sie hinein – gehen Sie den nebulösen Aussagen auf den Grund. Häufig werden Sie feststellen: Da ist nicht viel.)

Ich arbeite seit fast 25 Jahren mit der Pyramide und würde sie nicht mehr missen wollen. Klar, es erfordert Übung, sie bei komplexeren Texten richtig anzuwenden. Aber wer sie einmal verinnerlicht hat, dem hilft sie in jeder texterischen Lage. Fast jeder.

Fotos: Jutta Scherer