Erfolg: ja, bitte – erfolgen: nein, danke.

„Abschaltung erfolgt“, meldet mein Drucker, wenn ich den Aus-Knopf gedrückt habe.
Geht’s eigentlich noch verschwurbelter? Warum nicht „Abgeschaltet“ oder ganz einfach „Aus“?
Eines der vielen Mysterien des Alltags.

Überhaupt: „Erfolgen“ ist so ein Wort, das ich mit ödem Bürokratendeutsch verbinde. Ein Verb (Tätigkeitswort), das den Namen nicht verdient. Eine Formulierung, die Texte blass aussehen lässt – saft- und kraftlos, und reichlich vage noch dazu. Wenn ich Kundentexte redigiere oder lektoriere, fällt diese Formulierung regelmäßig dem virtuellen Rotstift zum Opfer. Denn Texte ohne „erfolgen“ sind einfach lebendigere Texte.

Sie zweifeln?

Hier ein paar Beispiele, alles Fundstücke aus dem Netz (die Urheber mögen es mir nachsehen).

Der Kauf und Verkauf ausländischer Währung […] erfolgt in Russland ausschließlich durch die zuständigen Banken, […] (Quelle: bblaw.com)

Juristendeutsch, klar. Aber auch

Juristisches lässt sich klar und lebendig formulieren – ohne an Seriosität zu verlieren. Wie wär’s also hiermit:

Ausländische Währung […] darf in Russland ausschließlich durch die zuständigen Banken gekauft und verkauft werden. Das sind Banken, […]
oder – noch besser – aktivisch:
In Russland dürfen nur die zuständigen Banken ausländische Währung […] kaufen oder verkaufen: […].

Bei beiden Umformulierungen habe ich etwas in die Aussage hineininterpretiert – ich habe angenommen, dass es hier um eine gesetzliche Regelung geht. Natürlich würde ich solche und ähnliche Änderungen in der Praxis nur in Absprache mit Kunden oder nach entsprechender Recherche vornehmen.

Nun könnte es natürlich sein, dass der/die Schreibende ganz bewusst die Wendung „Kauf und Verkauf“ an den Satzanfang stellen wollte – oder dass dies aus „dramaturgischen“ Gründen gut in den Text passen würde. In dem Fall könnte man vielleicht so formulieren:

Zum Kauf und Verkauf ausländischer Währung sind in Russland nur Banken berechtigt, die […].

Jetzt lebt der Satz. Finde ich zumindest.

Nächstes Beispiel – hier steht das Unwort sogar in einer Artikelüberschrift:

Parlamentarischer Abend: Wichtige Schritte zur Qualitätssicherung sind erfolgt“. (Quelle: bdsw.de).

Ich halte dagegen:

[…] BDWS ergreift wichtige Schritte zur Qualitätssicherung.

Und seblst, wenn der Handelnde (der Verband) hier aus purer Bescheidenheit nicht genannt werden wollte, gäbe es eine bessere Lösung:

[…]Wichtige Schritte zur Qualitätssicherung eingeleitet
(oder auch: ergriffen, abgeschlossen … je nachdem).

Sie merken: Wer „erfolgen“ durch andere Verben ersetzt, muss sich meist auch zu präziseren Aussagen zwingen. Das kann Ihrem Text nur gut tun! (A propo: Natürlich könnte man darüber nachdenken, die „wichtigen Schritte“ auch durch etwas anderes zu ersetzen oder rauszukürzen – aber um diese Seite nicht völlig zu sprengen, möchte ich mit meinen Alternativvorschlägen nah am Original bleiben.)

Im politischen/behördlichen Umfeld wird „erfolgen“ ja generell sehr gerne genommen.
Etwa hier:

Urananreicherung erfolgt weiter in Deutschland. (Quelle: bundestag.de).

Hier würde ich normalerweise zu einer Formulierung mit „soll“ tendieren, um zu verdeutlichen, dass es sich um einen Regierungsbeschluss handelt. Aber da es sich erneut um eine Headline handelt, ist der Platz vermutlich begrenzt. Mein Alternativvorschlag daher:

Urananreicherung bleibt vorerst in Deutschland.

Zu guter Letzt noch eine kleine Sammlung von Kleinoden aus meiner Redaktionspraxis:

Es erfolgt die Schlüsselübergabe.
=> Der Schlüssel wird übergeben.

Wie erfolgt die operative Steuerung des Netzwerkes?“
=> Wie wird das Netzwerk operativ gesteuert? (Oder auch: Wie läuft die operative Steuerung des Netzwerks ab?)

Die Kontrolle erfolgt im Anschluss an das finale Produkt.
=> Die Kontrolle wird nach Fertigstellung des Produktes durchgeführt (… findet … statt).

Die Berichterstattung über die Konzernergebnisse erfolgt durch den Geschäftsbericht.
=> Über die Konzernergebnisse informiert der Geschäftsbericht.

Eine gesonderte Überprüfung durch Fa. XY ist mit Ausnahme der […] nicht erfolgt.
=> Mit Ausnahme der […] hat Fa. XY die Inhalte nicht gesondert überprüft.

Bei xy Transaktionen erfolgte ein Verzicht auf die Wertsicherungsklausel.
=> Bei xy Transaktionen wurde … verzichtet / hat [Kundenname] … ganz verzichtet.

Die Preisberechnung erfolgt anhand einer … Bezugsgröße.
=> Die Preise werden anhand einer … Bezugsgröße berechnet.

Was würden Sie sagen: Welche der beiden Versionen liest sich jeweils lebendiger, präziser, ansprechender? Und vor allem: klarer?

Ich meine: Wer lebendige, gut lesbare Texte will, sollte das Wort „erfolgen“ meiden.
Das ist einer aus einer Reihe von praktischen Tipps, die ich auch Kunden gerne weitergebe – denn er ist einfach zu befolgen und dabei wirkungsvoll.

Natürlich habe ich mehr solcher Tipps auf Lager.

Interessiert? Dann bleiben Sie auf dieser Welle.